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Internationale Akademie für Meridian und Farbtherapie Christel Heidemann

Publikationen 

Erschienen in den Weleda-Nachrichten, 1992, Heft 186

Christel Heidemann: "Die therapeutische Wirkung von Pflanzenfarben über die Haut "

Die heutige Kenntnis über die therapeutische Wirkung der Akupunktur entstammt einer sehr alten Kultur Tibets und Chinas, die hervorgegangen ist aus einem Wissen von den geistigen Hintergründen aller Erscheinungen dieser Welt. Die damaligen eingeweihten Priester hatten durch Offenbarungen Einblicke in Naturzusammenhänge, die der heutigen naturwissen- schaftlichen Forschung nicht mehr zugänglich sind. In seinen geisteswissenschaftlichen Darstellungen über die Bereiche der Natur (Mineralwelt, Pflanzenwelt, Tierwelt), des Menschen und des Kosmos gibt Rudolf Steiner dem modernen Menschen die Möglichkeit, sich den einstmals geoffenbarten Naturgeheimnissen auf zeitgemäße Weise wieder zu nähern.

Das Strömende im Menschen: Der Ätherleib

Die alten Eingeweihten hatten, so beschreibt es Rudolf Steiner, besondere Einblicke in das bewegte Strömen des Lebendigen innerhalb des physischen Leibes des Menschen. Dieses für das sinnliche Auge nicht sichtbare Lebendige bildet einen einheitlichen Leib, der in der anthroposophischen Terminologie als Lebens- oder Ätherleib bezeichnet wird. Er bewirkt alle Stoffwechselvorgänge im Körper und verbindet zugleich das Seelisch-Geistige des Menschen mit dem physischen Leib. Der Ätherleib durchströmt die Leiblichkeit auf der rechten und linken Körperseite auf zwölf Bahnen, die Hauptmeridiane genannt werden. Bei erhobenen Armen strömt er von den Fingerspitzen zum Kopf, vom Kopf zu den Zehenspitzen, von den Zehenspitzen zur Brust und von der Brust wiederum zum Kopf. Von den Hauptmeridianen zweigen unendlich viele neben- und querverbindende Ströme ab – vergleichbar den großen Arterien, die sich immer mehr verzweigen und in kleinsten Haargefäßen enden, um dann im Venensystem zum Herzen zurückzugelangen.

Die Seele als Krankheitsverursacher

Die Seele ist nach Rudolf Steiners Aussagen der Sitz von Krankheitsprozessen. Gedanken und Gefühle, die über ein gewisses Maß hinausgehen, sind Kräfte, die den Ätherleib schwächen und sein gleichmäßiges Strömen behindern und damit krankmachend auf die Stoffwechselprozesse des physischen Leibes wirken. Der Ätherleib als solcher erkrankt nicht primär, es sei denn durch äußere Verletzungen mit Narbenbildungen oder durch Prellungen.

Gesundung für den physischen Leib kann daher nach anthroposophischer Auffassung allein vom Ätherleib ausgehen. Die Ungeordnetheit im Ätherleib muß in ein gleichmäßiges Strömen zurückgeführt werden, um die zu tief eingedrungenen Einflüsse des Seelischen Leibes auszugleichen. Werden seelische Probleme nicht gelöst, wird durch die Belastung des Ätherleibes der krankhafte Prozeß im Physischen erneut hervorgerufen. Wie kann nun das gleichmäßige Strömen des Ätherleibes im Krankheitsfall wieder hergestellt werden?

Harmonisieren der Meridianströme

In der Ruhelage sollte der menschliche Leib gleichmäßige Spannungszustände rechts-links, oben-unten und hinten-vorne aufweisen. Jeder Physiotherapeut weiß, wo aus physiologisch-anatomischen Gegebenheiten normalerweise eine höhere oder niedrigere Spannung der Gewebeschichten vorhanden ist. Jedes innere Organ ruft bei einer funktionellen oder organischen Störung Spannungsveränderungen bestimmter Zonen in Haut, Unterhaut und Muskulatur des Körpers hervor. Man nennt sie Organzonen im Bindegewebe und Muskulatur. Der diagnostische Tastbefund gibt dem Therapeuten Auskunft über das ursächliche Störfeld, das nicht immer identisch mit den augenblicklichen Beschwerden sein muß. Ein Beispiel möge dies erläutern: Der diagnostische Tastbefund zeigt eine Magenzone. Der Patient klagt aber nicht über Magenbeschwerden, sondern über Migräne. Der Magenmeridian beginnt an der Schläfe und endet an der zweiten Zehe des Fußes. Er ist in seinem gleichmäßigen Strömen in Unordnung geraten. Durch ätherische Überfülle (oder auch Leere) entsteht die Migräne. Der Magenmeridian muß in diesem Falle reguliert werden. Massieren oder Streichen im Verlauf des Meridians regt das Strömen an, Maßnahmen, die gegen die Strömungsrichtung eingesetzt werden, beruhigen es. Ebenso wirken Zirkelungen im Uhrzeigersinn anregend und Zirkelungen gegen den Uhrzeigersinn beruhigend. Die diagnostische Organzone auf dem Rücken des Patienten reagiert auf jede Maßnahme im Sekundenphänomen, d.h. sie gibt in Sekundenschnelle den Hinweis, welcher Therapieansatz vorgenommen werden muß.

Die diagnostische Tastung wurde an der Freiburger Universitätsklinik für Innere Medizin durch Prof. Dr. med. Kohlrausch, Frau Dr. med. Teirich-Leube und Frau Dicke erarbeitet. Die Chinesen richten sich bei ihren therapeutischen Maßnahmen nach der Pulskontrolle, da auch das strömende Blut Auskunft über die prozessualen Vorgänge im Ätherleib gibt.

In einem Vortrag vom 14.02.1915 sprach Rudolf Steiner davon, daß der Ätherleib ein wunderbares Gebilde ineinander flutender und schimmernder Farben sei und daß die Farben des Ätherleibes den physischen Leib, ja sogar die Organe aufbauen und dann in dem wirken, was während des Lebens von den Organen des physischen Leibes vollzogen wird. Diese Hinweise veranlaßten mich, zu erforschen, ob Farben, die auf die Akupunkturpunkte der Meridiane aufgebracht werden, eine Wirkung ausüben.

Wirkung von Farben

Das Ergebnis war erstaunlich: Jeder Meridian hat seine Farbe, die ihn aktiviert und stärkt. Die Komplementärfarbe bewirkt das Gegenteil. Zunächst verwendeten wir anilingefärbte Seiden. Die gewünschte Wirkung trat augenblicklich ein, aber nach zwei bis drei Stunden zeigte sich bei empfindlichen Patienten starke Nervosität und Unwohlsein. Daraufhin färbten wir nach den Angaben des Pflanzenfarbenlabors am Goetheanum Dornach/Schweiz Seiden mit Pflanzen ein. Die Wirkung war milder und wohltuender, auch nach längerem Tragen trat keine negative Wirkung auf. Wie fein und exakt der menschliche Körper auf Farben reagiert, ist immer wieder für jeden Therapeuten, der damit umgeht, eine erstaunliche Erfahrung. Ein gelbliches Rot kann nicht durch ein bläuliches Rot und ein bläuliches Grün nicht durch ein gelbliches Grün ersetzt werde. Die Nuance muß stimmen!

Der Vorteil dieser Farbtherapie auf Akupunkturpunkten liegt in der Dauerwirkung. Allerdings müssen die Farben täglich einmal, in schweren Krankheitsfällen auch zweimal gewechselt werden. Auch wenn sie ihre Farbe nicht geändert haben, geht offenbar ihre Kraft verloren. Die Farben werden in quadratzentimetergroßen Stückchen nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten auf Akupunkturpunkte geklebt. Ziel der Behandlung ist die Herstellung des Spannungsgleichgewichtes von Bindegewebe und Muskulatur des gesamten Körpers, das zugleich Ausdruck für die Harmonisierung der Ströme des Ätherleibes ist. Da immer die Gesundung zunächst vom Ätherleib ausgehen muß, ist diese Methode bei allen Krank-heitsbildern, ganz gleich, ob sie schwerer oder leichter Natur sind, lokal auftreten, oder den ganzen Menschen erfassen, als die Heilung einleitende und unterstützende Maßnahme anwendbar. Wie lange sie durchgeführt wird, hängt von der Art der Erkrankung ab. Kann der Patient nach Belastung das Spannungsgleichgewicht in Ruhe selbst herstellen, ist das Ziel erreicht.

©Barbara Küper-Frerich